Wappen
Land: | Thüringen | ||||
Landkreis: | Gotha | ||||
Gemeinde: | Nesse-Apfelstädt | ||||
Postleitzahl: | 99192 | ||||
Einwohner: | 1.122 | ||||
Fläche in km² | 94 | ||||
Ortschaftsbürgermeister: | Detlef Stender (SPD) | ||||
Zusammensetzung des Ortschaftsrates (2009): |
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Schenke
Kirche "St Maria"
Heimatmuseum
Unmittelbar vor den Toren der Landeshauptstadt Erfurt, am Ufer des Flüsschens Apfelstädt, liegt die Ortschaft Ingersleben. Im Jahre 1111 wurde der Ort erstmalig urkundlich erwähnt, doch zahlreiche Funde belegen eine Besiedlung bereits in der Urzeit.
Seit dem Mittelalter gehörte der Ort zu den Besitztümern der Grafen von Gleichen, die hier eine befestigte Wehranlage unterhielten. Seit 1657 gehört Ingersleben zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Über Jahrhunderte war in Ingersleben der Anbau von Waid - der mittelalterlichen Färbepflanze - die Haupteinnahmequelle.
Am Ende dieser Periode erwarb ein Erfurter Waldhändler die Wehranlage, vergrößerte das Anbaugebiet des Rittergutes und ließ im Jahre 1622 das prachtvolle Gutshaus erbauen. Seit 1979 ist in diesem Gebäude das Heimatmuseum von Ingersleben untergebracht. Ausstellungsstücke zur Ur- und Frühgeschichte, wertvolle Handschriften, landwirtschaftliche Geräte und Gegenstände des bäuerlichen Haushaltes und vieles mehr sind hier zu bewundern. Bis 1998 konnte die Ausstellungsfläche um das Doppelte erweitert werden. Das Obergeschoss mit dem "Münchhausenzimmer" und der "große Flur" zeigt nun wieder seine originale Farbigkeit. Im Erdgeschoss ist die freigelegte und im Stil derzeit um 1700 eingerichtete "Schwarze Küche" bei den zahlreichen Besuchern sehr beliebt.
Zu den Sehenswürdigkeiten im Ort zählt weiterhin die Marienkirche, die im Kern romanisch ist. Von ihrer Ausstattung sind besonders der 1771 erbaute Kanzelaltar, die restaurierte Orgel sowie zahlreiche kunsthistorisch wertvolle Grabdenkmäler erwähnenswert. Sehenswert ist auch das um 1680 erbaute Freisassenhaus. Mit seinem reich verzierten Fachwerk ist es eines der bedeutendsten Bauernhäuser der Umgebung. Ein weiteres Baudenkmal ist die 1752 errichtete Marienthalbrücke. Bauherr war der Reichsgraf Gustav Adolph von Gotter, welcher in preußischen Diensten als Diplomat tätig war. Kein geringerer als der Thüringische Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne konnte für die Gestaltung der prächtigen Sandsteinbrüstung nachgewiesen werden. Anfang der 90er Jahre unseres Jahrhunderts wurde die kunsthistorisch einmalige Barockbrücke umfassend saniert.
Heute leben fast 1.200 Einwohner in der Gemeinde Ingersleben, die seit der Gebietsreform im Jahre 1994 wieder zum Landkreis Gotha gehört. Die Infrastruktur des Ortes ist vorrangig von der Landwirtschaft geprägt. Die ehemals von der Landwirtschaftlichen Produktions-Genossenschaft genutzten landwirtschaftlichen Flächen bewirtschaften derzeit private Wiedereinrichter. Mehrere Handwerks- und kleine Gewerbebetriebe ergänzen das wirtschaftliche Angebot in der Gemeinde. Territorial ist der Ort im Norden durch die Eisenbahnstrecke und im Süden durch den Flusslauf der Apfelstädt begrenzt. Weite Gebiete der Gemarkung Ingersleben liegen im Bereich von Trinkwasserschutzzonen der Stadt Erfurt. Somit hat die Gemeinde zwar keine Möglichkeiten, neue Gewerbe- und Wohngebiete zu erschließen, aber damit auch die einmalige Chance, den dörflichen Charakter weitestgehend zu erhalten. Nach mehrjähriger Bauzeit ist seit Dezember 1998 die östlich des Ortes vorbeiführende A 71 für den Verkehr übergeben.
Durch eine rege Vereinstätigkeit werden viele kulturelle Traditionen gepflegt. Zu den aktivsten Vereinen zählen die Musikformation "Thüringer Schalmeien", der Sportverein "Fortuna", der Volkschor Ingersleben, die Trachtengruppe, der Hundesportverein und die Feuerwehr. Insbesondere die "Thüringer Schalmeien" und der Volkschor haben in den letzten Jahren weit über die Ortsgrenzen hinaus von sich reden gemacht.
Streifzüge durch den Landkreis Gotha, Landratsamt Gotha, Dezember 1999