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Ein klarer Sieg für Jacob - CDU-Mann gewinnt Wahl dank breiter Unterstützung

CDU-Kreisgeschäftsführerin Rosel Steinbrück gratuliert Christian Jacob, dem ersten Bürgermeister der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt, zum Wahlerfolg

CDU-Kreisgeschäftsführerin Rosel Steinbrück gratuliert Christian Jacob, dem ersten Bürgermeister der Landgemeinde Nesse-Apfelstädt, zum Wahlerfolg

Per Landesgesetz wurden die Gemeinden Apfelstädt, Gamstädt, Kleinrettbach, Ingersleben, Neudietendorf und Kornhochheim zur Landgemeinde Nesse-Apfelstädt zusammengeschlossen. Nun soll zusammenwachsen, was zusammengehört. Der erste Schritt dazu waren die gemeinsamen Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen am 21. Februar. Was am Wahlabend so alles vor sich ging, erfuhr Oscar-Redakteur David Ortmann am vergangenen Sonntagabend vor Ort.

19 Uhr: In der „Alm“ in Kornhochheim sitzen die Freien Wähler Neudietendorf an einer langen Tafel. Der Bürgermeisterkandidat Ralf Beckert ist unter ihnen und kaut genüsslich am Schnitzel. Vor wenigen Minuten hat er die Zahlen aus dem Wahllokal bekommen. Der Erfurter musste eine vernichtende Niederlage hinnehmen. Sein Gegenkandidat Christian Jacob konnte 65 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Auf Bekkert entfielen demzufolge nur magere 35 Prozent. Doch geschockt sieht anders aus. Zumindest das Essen ist dem 47-Jährigen nicht vergangen. „Klar hätte ich gerne gewonnen“, erklärt er gelassen „aber allein die Erfahrungen und der Kontakt mit den Menschen im Wahlkampf haben mir unglaublich viel Freude bereitet“, fährt der Sozialpädagoge fort. Außerdem kamen auch schon die ersten Anrufe von den Arbeitskollegen: „Und die haben fast gleichlautend gesagt: Schade für dich, schön für uns. Ich freue mich also auch, morgen wieder an der Arbeit zu sein.“ Während für Ralf Beckert der Abend gelaufen ist, können die Gemeinderatskandidaten der Freien Wähler, die ebenfalls in der „Alm“ sitzen, noch auf einen Platz im neuen Gemeindeparlament hoffen. Auch Polit-Profi Axel Sobieraj, das einstige Enfant terrible der CDU, der jetzt bei den Freien Wählern anheuert, ist anwesend. Ob er Christian Jacob, dem neuen Bürgermeister schon gratuliert hat? „Nein, warum sollte ich, das kommt gar nicht in Frage, schließlich habe ich mir ja nicht gewünscht, dass er gewinnt“, schiebt Sobieraj die Frage vom Tisch. „Aber ich wünsche ihm für die Zukunft eine glückliche Hand“, lenkt er schließlich ein. Ganz so gnädig ist er mit seinen alten Parteifreunden aus der CDU nicht. Laut den neuesten Ergebnissen, die nach und nach eintrudeln, liegen die Christdemokraten zwar nur bei drei Sitzen, „aber ich hätte mir gewünscht, dass die nicht so viele Stimmen bekommen. Die müssen erstmal lernen, was Politik machen bedeutet“, feuert Sobieraj in Richtung CDU.

WER KOALIERT MIT WEM?

Deren Spitzenkandidat Hendrik Knop feiert den Sieg seines Bürgermeisterkandidaten gut zwei Kilometer weiter an einer Tankstelle und sieht das natürlich ganz anders: „Wir ziehen zwar nur mit drei Leuten in den neuen Gemeinderat ein, aber lieber zu dritt, als viele, die nur für Stunk sorgen“, erklärt Knop augenzwinkernd in Richtung Sobieraj. Ob man sich mit anderen zu einer  Fraktion zusammenschließen würde? „Ja, wir können uns das schon vorstellen, mit den Grünen aber auch mit den LINKEN“, erzählt Knop und sorgt damit für erstaunte Gesichter. Die LINKEN sind nämlich nicht nur von den Christdemokraten umworben, sondern auch von Sobieraj. Dieser sitzt in jenem Moment in der „Alm“ und plädiert für eine gemeinsame Fraktion aus Freien Wählern Neudietendorf und der LINKEN. „Ich könnte mit denen gut“, erklärt Sobieraj. „Aber entscheiden muss das natürlich auch der Vorsitzende Thomas Dittmar.“ Der steht Sobieraj in der Gaststube der „Alm“ gegenüber, einen Ellenbogen auf den Kachelofen gestützt und lächelt ziemlich betreten. Man sieht es ihm an, am liebsten würde er jetzt schweigen, doch es ist natürlich auch eine Kraftprobe. „Mit denen geht gar nichts“, presst er schließlich heraus. Wie abgesprochen wird plötzlich die Tür geöffnet, das LINKE-Urgestein Ralf Boddenberg tritt ein. Sobieraj stürzt auf den Rentner zu, als wolle er schon jetzt am Biertisch die Koalition schließen.
Ortswechsel: In der Gemeindeverwaltung der neuen Thüringer Landgemeinde Nesse-Apfelstädt laufen die letzten Wahlergebnisse ein. Auch Grünen-Spitzenkandidat Michael Göring ist hier, um die neuesten Meldungen zusammenzurechnen. „Wir wollen einfach nur im Gemeinderat vertreten sein“, erklärt der Kommunalpolitiker. Und dafür sieht es ganz gut aus. „In einigen Orten liegen wir sogar vor der SPD.“ Ob er sich ein Bündnis mit den Sozialdemokraten vorstellen könnte? „Schon, im Kreistag, in Gotha und in Waltershausen wird das ja auch gemacht. Ich könnte mir das hier natürlich auch vorstellen, vorausgesetzt natürlich sie liegen vor uns.“ Darüber kann der Sozialdemokrat Steffen Linnert gar nicht lachen. „Dadurch, dass in den kleinen Gemeinden wirklich nur Personen, unabhängig von der Partei zählen, haben wir es ziemlich schwer. Schließlich sind wir fast alle zugezogenen und in manchen Gemeinden hatten wir bei dieser Wahl gar keine Kandidaten. Keine guten
Voraussetzungen für eine Personenwahl. Dass die Sozialdemokraten jetzt nur noch mit zwei Mitgliedern im Gemeinderat vertreten sind, schockt Linnert nicht sonderlich. „Wir haben eigentlich nicht mit mehr Sitzen gerechnet. Und außerdem: Einen Sitz hinter der CDU, das muss uns die SPD im Bund erstmal nachmachen“, schiebt der SPD-Mann grinsend nach. „Das Ergebnis war für alle Parteien dessaströs. Sie wurden einfach zwischen den beiden konkurrierenden Freie Wähler Gemeinschaften aufgerieben. Die Freien Wähler Neudietendorf ziehen mit vier Sitzen in den Gemeinderat ein. Die Freien Wähler der Restgemeinden, die den Bürgermeisterkandidaten Christian Jacob unterstützt haben, stellen acht Abgeordnete im neuen Gemeindeparlament.

SCHWIERIGE ZEITEN

Christian Jacob hat wohl am meisten von der Unterstützung der Freien Wähler Gemeinschaft, der LINKEN, der SPD und der Grünen profitiert. Jetzt wird er als Bürgermeister ausgelassen von seinen Parteifreunden gefeiert. „Die anderen waren aber auch da. Na ja, die SPD und die Freie Wähler Gemeinschaft zumindest“, erklärt Jacob. „Gut, die Grünen waren nicht da, wohl weil wir an einer Tankstelle feiern. Und DIE LINKE war auch noch nicht da.“ Klar zumindest ein Vertreter, Ralf Boddenberg, feiert ja mit der Konkurrenz unten in der „Alm“. „Ich bin auf jeden Fall froh, dass der Wahlkampf vorbei ist“, erklärt Christian Jacob. Aber als bisheriger Kämmerer der Gemeinde weiß er auch, dass die nächste Zeit für ihn nicht einfach wird. Das Land hat die Schlüsselzuweisungen gekürzt, das geht auch an der Gemeinde Nesse-Apfelstädt nicht vorbei. Doch der neue Bürgermeister will sich davon nicht unterkriegen lassen und auch eine glückliche Hand beweisen. Die besten Wünsche dazu hat er ja schon bekommen: von Axel Sobieraj.

Oscar am Freitag, Ausgabe Gotha, Februar 2010

Bürgermeisterwahl - Ergebnis des Landesamtes für Statistik

Gemeinderatswahl- Ergebnis des Landesamtes für Statistik


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